Rita Süssmuth – Eine prägende Stimme deutscher Politik ist gegangen

Rita Süßmuth auf der Veranstaltung "Parität jetzt" - Foto: Berthold Bronisz

Berlin – Die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesministerin Rita Süssmuth ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Dies teilten der Deutsche Bundestag und die amtierende Bundestagspräsidentin Julia Klöckner am Sonntagnachmittag mit. Süssmuth erlag nach kurzer, schwerer Erkrankung und hinterlässt ein bleibendes politisches Vermächtnis.

Geboren 1937 in Wuppertal, war Süssmuth keine Politikkarrieristin von Jugend an, sondern zunächst angesehene Professorin für Erziehungswissenschaften. Nach Lehrtätigkeiten an mehreren Hochschulen – unter anderem in Bochum und Dortmund – und der Leitung eines Forschungsinstituts für Frauen und Gesellschaft trat sie erst 1981 mit 44 Jahren in die CDU ein, woraufhin eine steile politische Laufbahn folgte.

Vom Ministeramt ins Parlament

Bereits 1985 übernahm Süssmuth im Kabinett von Bundeskanzler Helmut Kohl das Amt der Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit. Nur ein Jahr später wurde ihr zusätzlich das Ressort für Frauenfragen übertragen – sie wurde damit zur ersten Bundesfrauenministerin Deutschlands. In dieser Position machte sie sich früh einen Namen als engagierte Vorkämpferin für Gleichberechtigung und eine moderne Sozialpolitik.

Süssmuth prägte in den 1980er Jahren die öffentliche Debatte etwa durch ihr entschiedenes Eintreten für Aufklärung statt Ausgrenzung im Umgang mit HIV/AIDS und ihren progressiven Ansatz in der Familien- und Frauenpolitik – auch wenn diese Haltung innerhalb der eigenen Partei nicht immer auf Zustimmung stieß.

Präsidentin des Deutschen Bundestages

1987 zog Süssmuth erstmals in den Bundestag ein. Nur ein Jahr darauf, 1988, wurde sie mit großer Mehrheit zur Bundestagspräsidentin gewählt – als zweite Frau in dieser Funktion nach Annemarie Renger. Dieses Amt übte sie über zehn Jahre bis 1998 aus und führte so das Parlament durch eine der folgenreichsten Phasen der deutschen Nachkriegsgeschichte, darunter die Zeit nach der Wiedervereinigung und den Umzug des Parlaments nach Berlin.

Als Bundestagspräsidentin war Süssmuth für ihren konsequenten Einsatz für parlamentarische Transparenz und die Stärkung demokratischer Werte bekannt. Sie verstand die Rolle nicht als rein protokollarisch, sondern als politisch und gesellschaftlich gestaltend – und machte sich dabei sowohl Respekt als auch Kritik verdient.

Engagement über die Politik hinaus

Nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag 2002 blieb Süssmuth politisch aktiv. Sie leitete Kommissionen zur Zuwanderung und Integration, war Präsidentin des Deutschen Polen-Instituts und Ehrenpräsidentin zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen. Für ihr vielfältiges Engagement erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland.

Ein Nachruf auf eine politische Stimme

In ihren letzten Jahren sprach Süssmuth noch offen über gesellschaftliche Herausforderungen und mahnte zu Solidarität, Respekt und demokratischem Zusammenhalt. Mit ihrem Tod verliert Deutschland eine der profiliertesten Stimmen der Nachkriegszeit – eine Politikerin, die ihren Weg aus der Wissenschaft in die Politik mit Überzeugung, Mut und Konsequenz gegangen ist.

Hier nochmals eine Galerie von einer Veranstaltung in Köln 2023.

 

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