Der „Weltfrauentag 2026“ fand in Köln mit zahlreichen Aktionen und Demonstrationen statt. Unter dem kämpferischen Motto „Heraus zum feministischen Kampftag 2026! Patriarchat entwaffnen! Feministischen Frieden weltweit schaffen!“ fand die Demonstration mit Hauptveranstaltung auf dem Kölner Heumarkt mit unglaublichen ca. 12.000 Teilnehmern statt, die nicht alle Platz fanden.
Die Spitze des Gewalt-Eisbergs
CEDAW ist das „Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau“. Soweit die schöne Theorie, der sich die halbe Welt nicht verpflichtet fühlt. Weil die Macht – genauer die Gewalt – in der Regel von Männern ausgeht.
Die Spitzen verabscheuender Entrechtung, Entwürdigung und menschenverachtender Entwertung findet man ganz sicher in Afghanistan, wo Frauen Bildungsrechte und medizinische Versorgung verweigert werden und sie kaum mehr Rechte haben als ein Haustier – Prügelstrafen inclusive bei geringstem „Fehlverhalten“, das regelmäßig von Männern festgestellt wird.
Annalena Baebock (Grüne): „Heute dürfen in Afghanistan Wände zu Innenhöfen keine Fenster haben, Küchenwände keine Fenster haben, Wände an Brunnen keine Fenster haben. Warum? Weil diese Bereiche, ich zitiere, ‚gewöhnlich von Frauen benutzt werden‘. Und, wie ein Sprecher der Taliban es ausdrückte: ‚Wenn man Frauen sieht, die in Küchen oder Höfen arbeiten oder Wasser vom Brunnen holen, kann dies zu obszönen Handlungen führen. So sieht es derzeit in Afghanistan aus.“ (04.03.2025)
Der Kampf der Frauen in Iran, die ihre Rechte mit dem Mut der Verzweiflung erkämpfen, geht seit Jahrzehnten. Im Jahr 2022 demonstrierten Tausende Menschen unter dem Motto „Frau, Leben, Freiheit“ anlässlich des Todes von Jina Mahsa Amini, die in einer Polizeistation ums Leben kam. Und alle Frauen möchten Freiheit, Leben und tanzen, wie die Tänzerin auf der Kölner Domplatte 2026. Im Jahr 2024 wurde die Studentin Ahou Daryaei in die Psychiatrie eingewiesen, weil sie sich gegen die entwürdigende Behandlung der „Moralpolizei“ bis auf die Unterwäsche ausgezogen hatte. Nur Einzelschicksale?
Die Liste der Gewaltinstrumente des Iranischen Apparates ist lang und reicht von Einschüchterungen bis zur Todesstrafe. „Im Jahr 2025 übertraf die Zahl der Hinrichtungen schon Ende September den langjährigen Höchstwert von 2015: Mehr als 1.000 Menschen wurden in den ersten neun Monaten getötet.“ Am 28. Februar begann der Krieg Israels und der USA gegen das verbrecherische Mullah-Regime. Die UN-Sonderberichterstatterin geht von 20.000 Toten aus. (Amnesty International, 2026) Und wieder sind Frauen und Kinder die Opfer.
„Andere Gruppierungen – etwa der Islamische Staat (IS), Al-Shabaab in Somalia und weitere Extremisten – lernen von den Taliban in Afghanistan“, so die Frauenärztin und Aktivistin Sima Samar (Watson, 28.02.2026). Die Gewalt gegen Frauen in der Türkei oder in Russland und zahlreichen anderen Ländern soll nicht nur am Rande erwähnt sein.
Es handelt sich bei dieser Art männlicher Gewalt offenbar nicht um „natürliche“ evolutionär begründete Gewalt, sondern oft um fundamentalistisch-religiös untermauerte, dysfunktionale und fehlgeleitete Aggressionen, ausgeführt von Menschen mit geringer Gehirnentwicklung oder mit psychopathologischen Störungen wie antisozialen Persönlichkeits- oder Impulskontrollstörungen. Verschiedene Studien weisen darauf hin. (z.B. die fMRI-Studie).
Weiter erhebliche Fragen auch für Deutschland
Gewalt gegen Frauen, Ungleichheit bei den Löhnen, unbezahlte Care-Arbeit sind seit ewig Themen in Deutschland, und der Kampf von Frauen dagegen oft ergebnislos. Erschreckend entwickelt sich seit einiger Zeit ein geistig rückständiges, rückwärtsgewandtes Frauenbild bei jungen Menschen, insbesondere in rechten Kreisen wie der AfD und der AfD-Jugend.
„40 % der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erlebt. 13 % haben seit dem 16. Lebensjahr strafrechtlich relevante Formen sexualisierter Gewalt erfahren. 42 % waren von psychischer Gewalt betroffen. Jede Vierte hat Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt. Frauen erleben Gewalt vor allem im sozialen Nahraum. Bestimmte Gruppen von Frauen, wie z.B. Frauen mit Behinderungen, sind in deutlich höherem Maß von Gewalt betroffen“ schreibt der „Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe.“
Partnerschaftsgewalt (Femizid) ist häufig tödlich, denn alle zwei bis drei Tage tötet in Deutschland ein Mann Partnerin oder Ex-Partnerin. Tötungsversuche gibt es täglich. Die frauenfeindlichen Straftaten nahmen in den letzten Jahren stark zu. „2024 gab es 558 registrierte frauenfeindliche Straftaten – dies ist ein Anstieg von 73,3 % zum Vorjahr. Nur ein Bruchteil der Taten wird polizeilich bekannt. Die Anzeigequoten liegen bei den meisten Gewaltformen unter 10 %, so das BKA 2025. Hohe Dunkelziffern und intellektuelle Statistikdiskussionen erschweren die klare Sicht. Es ist längst überfällig, diese geistige und kulturelle Rückwärtsentwicklung zu beenden. Hier sind Frauen auf die Unterstützung von Männern angewiesen.
Redebeitrag von Katharina Sieben, DGB Köln
Galerie von Berthold Bronisz:
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