Köln – Am Donnerstagvormittag haben in Köln Schülerinnen und Schüler im Rahmen des bundesweiten „Schulstreiks gegen Wehrpflicht“ gegen die Neuausrichtung des deutschen Wehrdienstgesetzes demonstriert. Die Kundgebung am Hauptbahnhof war Teil einer koordinieren Protestwelle, die heute an über 100 Orten in ganz Deutschland stattfand.
Protest aus Sorge um Zukunft und Freiheit
Die jungen Menschen fordern ein klares „Nein“ zur Wiedereinführung einer allgemeinen Wehrpflicht und kritisieren insbesondere das seit Jahresbeginn geltende Wehrdienstgesetz, das Männer verpflichtet, einen Fragebogen zur Eignung für den Dienst in der Bundeswehr auszufüllen. Demonstranten sehen darin einen ersten Schritt hin zu einer verpflichtenden Einberufung und befürchten, künftig gegen ihren Willen zum Militärdienst herangezogen zu werden.
„Wir wollen nicht in Kriege geschickt werden“, lautete ein wiederkehrender Tenor auf Transparenten und in Interviews vor Ort. Die Initiative „Schulstreik gegen Wehrpflicht“ organisiert die Aktionen und fordert zugleich mehr Mitsprache und Beteiligung junger Menschen bei Entscheidungen, die ihre Zukunft betreffen.
Teilnehmerzahlen schwer zu beziffern
Für Köln selbst liegen bislang keine offiziellen Teilnehmerzahlen vor; Schätzungen aus den sozialen Medien und von Beteiligten gehen von mehreren hundert Jugendlichen aus, die sich am Vormittag vor dem Hauptbahnhof versammelten, bevor sie durch die Innenstadt zogen. Bei früheren Aktionen im Dezember 2025 hatte die Polizei in Köln ebenfalls mehrere hundert Teilnehmer gezählt.
Bundesweit zeigt sich das Protestgeschehen deutlich größer: In Berlin gingen nach Polizeiangaben rund 3.000 Schüler und Schülerinnen auf die Straße, und Veranstalter sprachen insgesamt von mehreren Zehntausend Teilnehmern in ganz Deutschland.
Politische und rechtliche Spannungen
Die Demonstrationen fanden trotz bestehender Schulpflicht statt. Kultusministerien weisen darauf hin, dass politische Kundgebungen während des Unterrichts nicht automatisch entschuldigte Fehlzeiten rechtfertigen. Die Bildungsgewerkschaft GEW hatte im Vorfeld zwar Unterstützung signalisiert, aber auch darauf hingewiesen, dass Schüler sich über mögliche Sanktionen im Klaren sein sollten.
Die bundesweiten Proteste folgen auf Debatten über das sogenannte Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, das im Dezember 2025 im Bundestag verabschiedet wurde und seit Jahresbeginn in Kraft ist. Dieses Gesetz sieht unter anderem verpflichtende Fragebögen und Musterungen für junge Männer vor, was von Kritikern als Wegbereiter einer späteren allgemeinen Wehrpflicht gesehen wird – obwohl der Dienst derzeit formal freiwillig bleibt.
Ausblick
Organisatoren kündigten an, dass der heutige „Schulstreik“ kein einmaliges Ereignis bleiben solle. Weitere Proteste und Aktionen seien geplant, solange zentrale Forderungen wie eine stärkere Beteiligung junger Menschen an politischen Entscheidungen und ein Verzicht auf eine mögliche zukünftige Wehrpflicht nicht erfüllt würden.
Antworten